Lost Places: Beelitz Heilstätten

Anbei ein weiteres Highlight aus der Serie Lost Places. Ich war in Beelitz, genauer gesagt auf dem Gelände der ehemaligen Heilstätten. Das Areal liegt ca. 70 Kilometer südwestlich von Berlin. Bis Mitte 2015 waren die Heilstätten ein Lost Place im wahrsten Sinne des Wortes. Seit September 2015 gibt es hier einen Baumkronenpfad, der mehr und mehr Besucher anlockt. Den habe ich aber selbstverständlich gemieden und mich auf eigene Faust auf dem Gelände bewegt.

 

Die Heilstätten sind zwischen 1989 und 1930 von der damaligen Landesversicherungsanstalt als Arbeiter-Lungenheilstätten errichtet worden. Mit über 200 ha Fläche und mehr als 60 Gebäuden (damals streng nach Männer und Frauen getrennt) bildete es eines der größten Krankenhauskomplexe in Deutschland. Die Gebäude sind größtenteils baufällig und daher nicht zu betreten. Eine Ausnahme bildet die ehemalige Chirurgie, die man betreten darf, wenn man den Mann mit dem Schlüssel findet. :-) Aber auch hier gilt: Betreten auf eigene Gefahr. 

 

Die Chirurgie gibt einem einen guten Einblick in die Großzügigkeit und Modernität der damals geplanten Anlage. Jedes Patientenzimmer in der ersten Etage hatte ein Balkon, immer zwei Zimmer teilten sich ein Bad. Jedes Bad wurden mit Fliesen aus Meissen verkleidet: komplett vom Boden über die Wände und die Decken. Die chirurgischen Räume erstrecken sich über die ganze untere Etage. Fahrstühle in allen vier Flügeln verbanden den Keller mit der ersten Etage. Heute ist das gesamte Gebäude natürlich dem Vandalismus ausgesetzt, es sind sämtliche Fensterläden eingeschlagen und die chirurgischen Apparaturen entfernt worden. Aber wenn man die gewaltigen Stahlkonstruktionen der Chirurgie von der Decke baumeln sieht, kann man den Fortschritt der damaligen Zeit erahnen. Der Keller mit nur einem Ein- und Ausgang, hat für ein bißchen Beklemmungen gesorgt. Es kann sich sicher jeder denken, dass hier früher u.a. die Leichen aufbewahrt wurden.

 

Nichts desto Trotz lohnt sich ein Besuch für historisch Interessierte auf jeden Fall. Es muss definitiv festes Schuhwerk getragen werden und die Klamotten sollten auch nicht die besten sein. Ich war nach meinem dreistündigem Besuch so voller Staub, dass sämtliche Klamotten erstmal in die Wäsche gewandert sind.




Kommentar schreiben

Kommentare: 0